Hollerküchle am Lagerfeuer – die wilde Version eines Pfannkuchens

Text: Fíona Mahlberg

Fotos: Fíona Mahlberg, Justus Wien, Regina Paul

 

Im Frühjahr, zur Blütezeit, gibt es kaum etwas Besseres als leckere Holunder-Pfannkuchen. Sie zu backen dauert nicht lange und ist nicht kompliziert und das Sammeln der Blüten ist manchmal schon ein kleines Abenteuer. Dafür geht man einfach in das nächste Wäldchen, wo normalerweise irgendwo auch etwas Holunder wächst – wir sind in den Rahlstedter Hegen gegangen.

Die Bäume und ihre großen, weißen Blüten lieben die Sonne. Deshalb sind sie normalerweise am besten an sonnigen Plätzchen zu finden. Generell stehen sie gerne an Wegesrändern und sie entwickeln sich prächtig an der Südseite des Waldes. Solltest du jemals versuchen, einen Holunderbaum zu finden, dann such am besten dort! Allerdings entwickeln sie sich dort auch am Besten. Zu dieser späten Zeit tragen die meisten Bäume schon grünen Beeren, die auch im reifes Zustand ungekocht giftig sind und wir also (noch!) nicht gebrauchen können. Deshalb mussten wir lange suchen, bis wir endlich einen Baum fanden, der zumindest ein paar Blüten trug.

Schon bevor wir sie sehen konnten, roch Regina die unverkennbaren Hollerblüten. Da sie nirgendwo zu finden waren, dachte sie zuerst, sie hätte sich den Duft nur eingebildet, aber nein; als wir um eine Ecke bogen erblickten wir den Baum, mitsamt eines prächtigen Zweiges voller wunderschöner, weißer Holunderdolden. In scheinbar unerreichbarer Höhe.

Ratlos standen wir am Abhang und blickten hinauf zu den kostbaren Blüten. Sie waren zu weit weg – selbst gestapelt hätten wir sie wohl nicht erreicht – doch wir waren nun schon so lange durch den Wald geirrt, ohne etwas Brauchbares zu finden, dass wir entschlossen waren, diese mögliche Ernte nicht ungenutzt verblühen zu lassen. Irgendwie mussten wir sie bekommen!

Sowohl Regina als auch ich griffen uns einen langen Stock und angelten nach dem Zweig, wieder und wieder, doch wir bekamen ihn einfach nicht zu fassen. Die Male, die wir es schafften ihn zu berühren und sogar ein Stück nach unten zu ziehen, rutschen unsere Äste jedes mal ab und ließen die Beute wieder nach oben schnellen, in unerreichbare Höhe. Regina wollte schon aufgeben, doch ich war hartnäckig. Die letzten Dolden, nun da wir sie endlich gefunden hatten, konnten wir doch nicht einfach zurücklassen! „Hast du ein Seil?“, fragte ich halb verzweifelt, obwohl ich nicht damit rechnete, dass Regina in weiser Voraussicht oder einfach nur zum Spaß ein Seil mit sich herumtrug. Zu meiner Überraschung und Freude erwiderte sie jedoch begeistert: „Ja!“

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Vor ungefähr einer Woche hatte Regina sich einen Schlüsselanhänger aus Paracord geflochten, damit sie immer Seil hätte, wenn es nötig sei. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich ihn so schnell brauche!“, sagte sie ohne Bedauern. Trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen, als sie den kompliziert aussehenden Flechtzopf lockerte. Plötzlich war ich nicht mehr so besessen davon, die Blüten zu ernten. „Sonst lass uns doch weitersuchen. Wir finden bestimmt noch mehr!“ Doch nun war sie es, die die Ernte unbedingt fortsetzen wollte. Mit dem drei Meter langen Seil befestigten wir eine kleine Astgabel so an einem langen Stock, dass sie einen Widerhaken bildete. Mit dieser Konstruktion versuchten wir nun erneut, unser Mittagessen zu erreichen. Mit vereinten Kräften schafften wir es endlich, die Dolden zu uns herabzuziehen. Stolz ernteten wir die Blüten, legten sie in einen Korb und setzten unseren Weg fort.

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Nach diesem triumphalen Ereignis hatte sich unsere Laune deutlich verbessert. Zwar hatten wir noch immer nicht viel gefunden, doch für einige Pfannkuchen würde die Menge reichen. Wir suchten den Waldesrand noch erfolglos nach Holunder ab, machten uns dann aber auf dem Rückweg zu unseren Fahrrädern. Gefühlt war diese Suche nun beendet, obwohl der speerartige Ast in unseren Händen vom Gegenteil zeugte.

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Einige Meter bevor wir den Wald verließen (auf dem Weg, über den wir bereits gelaufen waren!) standen sie plötzlich vor uns. Mit ihrer weißen Blütenpracht säumten sie den Weg. Ohne Mühe pflückten wir die tief hängenden Dolden, die Höheren erreichten wir gut mit dem Stab. Diese Holunderbäume waren genau das, was wir brauchten, und boten mehr als genug Blüten für uns zwei. Viele der Zutaten, für die wir vorhin noch Luftsprünge gemacht hatten, ließen wir nun sogar einfach hängen! Mit prall gefülltem Korb traten wir nun die Heimreise an, in Erwartung der leckeren Hollerküchle.

Um diese zu bekommen, mussten wir allerdings noch den Teig mischen. Falls auch ihr Lust habt zu backen, benutzt einfach unser Rezept für Hollerküchle.

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Außerdem braucht man natürlich einen Topf mit heißem Öl, um die Holunderblüten zu frittieren. Weil dabei auch der Stiel und die Beeren, die sich möglicherweise bereits gebildet haben, erhitzt werden, kann man sie nun bedenkenlos essen. Trotzdem schmeckt es deutlich besser, wenn man nur die Blüten der fertigen Hollerküchle verspeist.

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Bevor man Blüten knabbern kann, muss das Öl erhitzt werden, und wo ginge das besser als auf einem guten Lagerfeuer? Um dieses zu entzünden, benutzt man am Besten ein sogenanntes Grasnest. Das ist ein wenig trockenes Stroh, Heu oder Ähnliches, in dessen Inneren man ein bisschen Birkenrinde platziert.

Man legt es in die Mitte der Feuerstelle und baut ein Tipi aus dünneren Zweigen darum herum. Jetzt kann man sofort dünnes oder auch dickeres Feuerholz daneben stellen, oder man tut dies erst, wenn das Feuer schon gut brennt. Wir haben mit einem Magensiumstab ein Stück Birkenrinde und damit das Grasnest entzündet. So haben wir das Feuer entfacht. Als nur noch heiße Glut davon übrig war, stellten wir den mit Öl gefüllten Topf auf die Feuerstelle und warteten kurze Zeit, bis wir dachten, das Öl sei nun heiß genug. Zur Probe frittierte Regina eine einzelne Dolde. Als das Öl laut zischte wussten wir, dass wir nun mit dem Backen beginnen konnten.

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Jetzt hielten wir bloß die Blüten in den Teig, warteten bis sie abgetropft waren und ließen sie dann mit dem Stiel nach oben in den heißen Topf sinken. Das Öl brodelte und wir mussten aufpassen, dass uns weder die Dolde noch das Öl an- oder verbrannte. Nun ließen wir sie so lange dort, das sie eine leckere Bräunung bekam. Um sie wieder herauszuholen, fassten wir sie einfach am Stiel an, doch manche der Blüten kippen auch um und es wirklich nicht ratsam, mit bloßen Händen in heißes Öl zu fassen. Deshalb haben wir für diese eine siebartige Schöpfkelle benutzt.

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Wir haben sehr schnell festgestellt, das es vor allem bei größeren Dolden ein Problem gibt; durch das Gewicht des Teiges werden die Blüten sehr stark nach unten gezogen. So bekommen sie eine dicke Form mit viel Teig an einer Stelle. Sie werden zwar außen frittiert, doch innen sind sie noch nicht gar. Um dies zu umgehen entwickelten wir eine neue Technik.

Beim sogenannten „Auffluffen“ werden die teigigen Pflanzen an ihrem Stiel erst ein paar Mal im heißen Öl auf und ab geschwenkt, sodass sich die einzelnen Verzweigungen voneinander lösen und sie sich wieder zu ihrer ursprünglichen Form auffächern, bevor man sie ganz in den Topf fallen lässt.

ungefluffter Hollerküchle

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aufgefluffter Hollerküchle

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Sind die „Hollerküchle“ fertig, legt man sie auf ein wenig Küchenpapier, das sich bestenfalls in einer Auflaufform befindet, und bestäubt sie mit Puderzucker. Dort sollte man sie kurz abkühlen lassen, doch auch nicht zu lange, denn warm schmecken sie am Besten!

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So haben wir auch Kirschen gebacken, obwohl dazu natürlich kein Auffluffen nötig ist. Der Kern und das Fruchtfleisch darum herum ist noch lange sehr heiß, deshalb rate ich, dieses Obst vor dem Verzehr zum abkühlen aufzuschneiden.

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Variationen der Hollerküchle sind also auch sehr empfehlenswert, also gilt wieder einmal: Probieren geht über studieren, denn je mehr wir probieren, desto mehr zum Frittieren!

Gutes Gelingen und vor Allem:  Guten Appetit!


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